Strompreis 2027: Netzgebühren steigen, Haushalte zahlen mehr
Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber erhöhen 2027 das Netzentgelt auf 3,54 Cent pro Kilowattstunde. Durch den geringeren Bundeszuschuss steigen die Stromkosten für Verbraucher leicht.
Das Wichtigste in Kürze
Das Netzentgelt für das Höchstspannungsnetz wird 2027 von 2,86 Cent auf 3,54 Cent pro Kilowattstunde angehoben. Durch die Kürzung des Bundeszuschusses steigt der durchschnittliche Strompreis für private Haushalte um etwa 0,8 %, was einem Mehrbetrag von vier bis zehn Euro pro Jahr entspricht.
Wie hoch ist das neue Netzentgelt und was bedeutet das für den Strompreis?
Das Netzentgelt steigt von 2,86 Cent auf 3,54 Cent/kWh, wodurch der durchschnittliche Strompreis um etwa 0,8 % teurer wird.
Die vier Übertragungsnetzbetreiber haben für das Jahr 2027 ein neues, bundeseinheitliches Netzentgelt von 3,54 Cent pro Kilowattstunde veröffentlicht. Im Vergleich zu den derzeitigen 2,86 Cent entspricht das einer Erhöhung von 0,68 Cent, also rund 24 %.
Da das Netzentgelt Teil des Strompreises ist, führt die Erhöhung zu einem leichten Anstieg des Endverbraucherpreises. Das Vergleichsportal Verivox rechnet damit, dass der durchschnittliche Strompreis von etwa 32,3 Cent/kWh um fast ein Prozent steigt.
Warum sinkt der Bundeszuschuss und wie beeinflusst das den Strompreis?
Der Bundeszuschuss wird 2027 von 6,5 Mrd. € auf 5,525 Mrd. € gekürzt, wodurch Netzbetreiber höhere Netzentgelte erheben müssen.
Für das Jahr 2026 hatte die Bundesregierung einen Zuschuss von 6,5 Milliarden Euro bereitgestellt, um die Strompreise zu dämpfen. Im nächsten Jahr wird dieser Betrag auf 5,525 Milliarden Euro reduziert – ein Rückgang von knapp einer Milliarde Euro.
Der geringere staatliche Beitrag erhöht die Kosten, die die Übertragungsnetzbetreiber an die Verteilnetzbetreiber weitergeben. Diese geben einen Teil der Mehrbelastung an die Endkunden weiter, was den Strompreis nach oben treibt.
Wie stark können private Haushalte durch die Erhöhung belastet werden?
Ein Zweipersonenhaushalt zahlt bei 2.800 kWh Jahresverbrauch rund sieben Euro mehr, ein Dreipersonenhaushalt etwa zehn Euro, ein Einpersonenhaushalt vier Euro.
Verivox schätzt, dass die höheren Netzentgelte zu einem Anstieg der Verteilnetzgebühren von etwa 0,24 Cent/kWh führen. Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 32,29 Cent/kWh entspricht das einem Preisplus von knapp 0,8 %.
Für einen Haushalt mit zwei Personen und einem Jahresverbrauch von 2.800 kWh ergeben sich dadurch zusätzliche Kosten von rund sieben Euro. Ein Dreipersonenhaushalt (4.000 kWh) muss mit etwa zehn Euro mehr rechnen, ein Einpersonenhaushalt (1.500 kWh) mit vier Euro.
Gibt es regionale Unterschiede beim Strompreis nach der Netzentgelt‑Anpassung?
Ja, weil die Verteilnetzbetreiber die Netzentgelte eigenständig festlegen, können Preise je nach Bundesland variieren.
Die Übertragungsnetzbetreiber stellen das neue Netzentgelt den Verteilnetzbetreibern in Rechnung. Letztere dürfen die Kosten für die Endkunden selbst bestimmen, was zu regional unterschiedlichen Netzentgelten führt.
In manchen Regionen kann die Erhöhung stärker ausfallen, während andere Bundesländer die Mehrkosten nur teilweise weitergeben. Verbraucher sollten daher ihre aktuelle Rechnung prüfen und regional vergleichen.
Welche Optionen haben Verbraucher, um die steigenden Stromkosten zu begrenzen?
Verbraucher können Tarife mit Preisgarantie prüfen, den Anbieter wechseln oder den eigenen Verbrauch senken, um die Belastung zu reduzieren.
Einige Stromtarife schließen nur den Arbeitspreis, nicht aber Umlagen, Steuern und Netzentgelte, ein. Kunden mit Preisgarantie können dennoch die höheren Netzentgelte spüren und sollten prüfen, ob ein Tarifwechsel sinnvoll ist.
Zusätzlich kann ein bewusster Umgang mit elektrischem Gerät, das Nutzen von energieeffizienten Geräten und das Vermeiden von Lastspitzen die Jahresrechnung merklich senken.
Wie schätzen Vergleichsportale die Weitergabe der Kosten an Endverbraucher ein?
Verivox geht davon aus, dass etwa ein Drittel der höheren Netzentgelte an die Endkunden weitergegeben wird.
Laut Verivox-Energieexperte Thorsten Storck werden von der Gesamterhöhung nur rund 33 % an die Verbraucher weitergereicht. Der Rest verbleibe bei den Netzbetreibern oder wird durch betriebliche Effizienzmaßnahmen ausgeglichen.
Die konkrete Auswirkung hängt vom jeweiligen Verteilnetzgebiet und von weiteren Preisbestandteilen wie Steuern und Umlagen ab.
Häufige Fragen
Wie viel kostet die Strompreiserhöhung pro Jahr für einen durchschnittlichen Haushalt?
Ein durchschnittlicher Zweipersonenhaushalt mit 2.800 kWh Jahresverbrauch zahlt etwa sieben Euro mehr im Jahr, ein Dreipersonenhaushalt rund zehn Euro und ein Einpersonenhaushalt vier Euro.
Warum steigen die Netzentgelte trotz sinkender Strompreise?
Die Netzentgelte werden durch den Rückgang des Bundeszuschusses für Übertragungsnetzkosten erhöht. Ohne die staatliche Unterstützung müssen die Netzbetreiber ihre Kosten über höhere Gebühren decken.
Welche Rolle spielen die vier Übertragungsnetzbetreiber bei der Preisentwicklung?
Die Betreiber 50Hertz, Amprion, TenneT Germany und TransnetBW legen das bundeseinheitliche Netzentgelt fest. Dieses wird an die Verteilnetzbetreiber weitergegeben, die es dann in ihren Endkundenpreisen widerspiegeln.
Kann man die höheren Netzentgelte durch einen Anbieterwechsel vermeiden?
Ein Anbieterwechsel beeinflusst das Netzentgelt nicht, weil es ein staatlich regulierter Aufschlag ist. Allerdings können günstigere Tarifmodelle und ein niedrigerer Arbeitspreis die Gesamtbelastung reduzieren.
Wie wirkt sich die Kürzung des Bundeszuschusses konkret auf die Stromrechnung aus?
Durch die Kürzung von 6,5 Mrd. € auf 5,525 Mrd. € im Jahr 2027 steigen die Netzentgelte um 0,68 Cent/kWh. Dieser Aufschlag erhöht den durchschnittlichen Strompreis um etwa 0,8 %, was in absoluten Zahlen mehrere Euro pro Haushalt bedeutet.
Gibt es Prognosen, wie sich der Strompreis langfristig entwickeln wird?
Kurzfristig wird das Netzentgelt 2027 höher sein. Langfristig hängen weitere Entwicklungen von geplanten Netzausbauinvestitionen, zukünftigen Bundeszuschüssen und der politischen Energiepolitik ab. Aktuelle Zahlen geben jedoch nur den Trend für das kommende Jahr wieder.