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Brücke in Rekordzeit: Expressbau in BW fertiggestellt

Eine 49 Meter lange Expressbrücke über die Murr wurde in Rekordzeit errichtet und soll künftig als Vorbild für deutschlandweite Brückensanierungen dienen.

Expressbrücke über die Murr in Marbach, fertiggestellt in 75 Tagen
Expressbrücke über die Murr in Marbach, fertiggestellt in 75 Tagen Foto: David from Colorado Springs, United States · CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

Das Wichtigste in Kürze

Die Expressbrücke über die Murr bei Marbach wurde in 75 Tagen fertiggestellt. Durch vorgefertigte Module konnten die Hauptarbeiten von Vollsperrung bis Eröffnung in rund zweieinhalb Monaten abgeschlossen werden. Das Projekt gilt als Modell für künftige Brückensanierungen in Deutschland.

Wie wurde die Expressbrücke in Marbach in nur 75 Tagen gebaut?

Die Murr‑Expressbrücke wurde mit vorgefertigten Modulen errichtet, die per Kran an die vorbereiteten Pfeiler gehoben wurden, sodass die eigentlichen Bauarbeiten 75 Tage dauerten.

Die tragenden Elemente der neuen Brücke wurden in einer Fabrik gefertigt, anschließend per LKW zur Baustelle transportiert und dort mit einem großen Kran in Position gehoben. Dieser Ansatz ersparte das zeitintensive Vor Ort gießen von Beton.

Der gesamte Bauzeitraum von der Vollsperrung bis zur Wiedereröffnung betrug rund 75 Tage – im Vergleich zu üblichen zwei bis vier Jahren bei konventionellen Brückenneubauten. Der verkürzte Ablauf senkte die Projektkosten erheblich.

Regierungspräsidentin Susanne Bay (Grüne) und Verkehrsministerin Nicole Razavi (CDU) betonten, dass das Projekt als Pilot für weitere Schnellbaumaßnahmen im Regierungsbezirk Stuttgart dient.

Welche Vorteile bietet die Fertigteil‑Brücke für die Bauzeit und die Umwelt?

Fertigteil‑Brücken verkürzen die Bauzeit erheblich und reduzieren den Einsatz von Baustellenmaschinen im sensiblen Flussufer, wodurch Umweltbelastungen minimiert werden.

Durch die Vorfertigung im Werk entfallen lange Trocknungszeiten und das Aufstellen von Schalungen vor Ort. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch den Kraftstoffverbrauch von Baumaschinen.

Im Murr‑Projekt konnten die Arbeiten im Flussuferbereich auf wenige Tage begrenzt werden, wodurch das Ökosystem des Flusses und seiner Uferflora kaum gestört wurde. Das ist ein deutlicher Unterschied zu herkömmlichen Abriss‑ und Neubauverfahren, die mehrere Monate im sensiblen Gebiet benötigen.

Die modulare Bauweise ermöglicht zudem eine präzisere Qualitätskontrolle im Werk, was langfristig die Wartungsintervalle verkürzen und die Verkehrssicherheit erhöhen kann.

Wie unterscheidet sich das BW‑Projekt von Expressbrücken in Nordrhein‑Westfalen?

Während Baden‑Württemberg das Pilotprojekt mit einer 75‑Tage‑Bauzeit realisierte, nutzt Nordrhein‑Westfalen bereits seit Jahren Expressverfahren, etwa 40‑Tag‑Bauzeiten für die B474‑Brücke bei Dülmen.

Nordrhein‑Westfalen hat ein ambitioniertes Ziel: innerhalb von zehn Jahren 400 Brücken zu ersetzen. Dort wurden bereits mehrere Expressbrücken gebaut, darunter die B474‑Brücke, die in nur 40 Tagen fertiggestellt wurde.

Im Gegensatz dazu steht das BW‑Projekt als erstes Expressbrücken‑Pilotvorhaben im Bundesland. Die dortige Bauzeit von 75 Tagen liegt zwar über der nordrhein‑westfälischen Best‑Case‑Zeit, demonstriert aber die Machbarkeit der Methode in einem anderen geographischen Kontext.

Beide Bundesländer setzen auf Schnellbautechniken, jedoch variieren die konkreten Zeitvorgaben je nach örtlichen Gegebenheiten, Genehmigungsverfahren und vorhandener Infrastruktur.

Welches politische Ziel verfolgen die Landesministerien mit dem Expressverfahren?

Die Ministerien wollen mit dem Expressverfahren den Brückenerneuerungsbedarf schnell zu decken, Kosten zu senken und die Verkehrssicherheit zu erhöhen.

Verkehrsministerin Nicole Razavi (CDU) bezeichnete die Murr‑Brücke als Modellprojekt, das die Erfahrung für weitere Erneuerungen liefern soll. Ihr Ziel ist, den hohen Sanierungsrückstand in Baden‑Württemberg zügig zu bearbeiten.

Auf Bundesebene kritisiert Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) die rückläufige Zahl fertiggestellter Brücken. Das Expressverfahren wird von den Landesbehörden als Möglichkeit gesehen, die von der Ampel‑Regierung geplanten 400 Brückensanierungen pro Jahr realistischer zu erreichen.

Durch die Kombination aus schneller Bauzeit und geringeren Umweltbelastungen sollen sowohl die Wirtschaftlichkeit als auch die Akzeptanz in der Bevölkerung steigen.

Welche Auswirkungen hat die neue Murr‑Brücke auf den lokalen Verkehr?

Durch die Verbreiterung von zwei auf vier Fahrstreifen erhöht die neue Brücke die Kapazität der Landesstraßen 1100 und 1138 und reduziert Staus im Kreis Ludwigsburg.

Die alte Brücke aus dem Jahr 1956 wies altersbedingte Mängel und Spannstahlkorrosion auf. Die neue 49‑Meter‑Spannweite ermöglicht den Durchgang von vier Fahrspuren, wodurch der Verkehrsfluss zwischen Benningen und Marbach deutlich verbessert wird.

Die Anbindung an die Landesstraßen 1100 und 1138 wird nun leistungsfähiger, was insbesondere Pendler und Güterverkehr entlastet. Erste Messungen zeigen eine Reduktion der Wartezeiten um bis zu 30 % während der Hauptverkehrszeiten.

Zusätzlich stärkt die moderne Infrastruktur die Attraktivität des Standorts für Unternehmen, die auf zuverlässige Logistikwege angewiesen sind, und unterstützt langfristig die regionale Wirtschaftsentwicklung.

Häufige Fragen

Was versteht man unter einer Expressbrücke?

Eine Expressbrücke wird mit vorgefertigten Bauteilen errichtet, die innerhalb kurzer Zeit vor Ort montiert werden. Die Bauzeit liegt meist im ein‑ bis zweimonatigen Bereich, deutlich kürzer als bei konventionellen Bauweisen, die mehrere Jahre benötigen.

Wie hoch waren die Kosten für die Murr‑Expressbrücke?

Die genauen Gesamtkosten wurden von den Behörden nicht veröffentlicht. Das Expressverfahren soll jedoch die Projektkosten gegenüber herkömmlichen Bauweisen senken, weil weniger Arbeitsstunden und geringere Maschinenlaufzeiten anfallen.

Wie viele Expressbrücken gibt es bereits in Deutschland?

Nordrhein‑Westfalen hat mehrere Expressbrücken gebaut, darunter die B474‑Brücke bei Dülmen. In Baden‑Württemberg existiert bislang nur das Pilotprojekt in Marbach. Bundesweit wird das Verfahren jedoch als Schlüssel zur Erreichung des Ziels von 400 Brückenerneuerungen pro Jahr diskutiert.

Wie lange dauert ein herkömmlicher Brückenneubau im Vergleich?

Ein klassischer Brückenneubau dauert in Deutschland in der Regel zwei bis vier Jahre, weil Betonarbeiten, Schalungen und umfangreiche Genehmigungsverfahren vor Ort notwendig sind. Das ist deutlich länger als die 75‑Tage‑Bauzeit der Murr‑Expressbrücke.

Welche Risiken können bei der schnellen Bauweise auftreten?

Bei einer stark verkürzten Bauzeit müssen die vorgefertigten Elemente besonders präzise hergestellt werden, um spätere Mängel zu vermeiden. Strenge Qualitätskontrollen im Werk und eine sorgfältige Planung der Montage sind deshalb unerlässlich, um die langfristige Sicherheit der Brücke zu gewährleisten.

Welchen Einfluss hat das Projekt auf zukünftige Brückensanierungen?

Das erfolgreiche Pilotprojekt liefert praxisnahe Daten zu Zeit‑ und Kosteneinsparungen sowie zu Umweltvorteilen. Diese Erkenntnisse sollen in anderen Bundesländern und bei bundesweiten Sanierungsprogrammen als Grundlage dienen, um den Rückstand an maroden Brücken schneller abzubauen.

Quellen

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