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Priester Luca Favarin wird mit 54 Jahren Vater – Was hinter dem ungewöhnlichen Schritt steckt

Der ehemalige italienische Priester Luca Favarin hat im Alter von 54 Jahren sein erstes Kind bekommen. Der Fall wirft Fragen zu Kirchenaustritt, sozialem Engagement und öffentlicher Diskussion in Deutschland auf.

Priester Luca Favarin hält sein neugeborenes Kind Zaccaria im Arm
Priester Luca Favarin hält sein neugeborenes Kind Zaccaria im Arm Foto: Andre Carrotflower · BY-SA · Openverse

Das Wichtigste in Kürze

Der ehemalige Priester Luca Favarin, 54, wurde am 28. September 2023 Vater seines Sohnes Zaccaria. Er verließ das Priesteramt 2023 nach einer Suspendierung im Dezember 2022 und arbeitet weiterhin im Asyl‑ und Sozialbereich.

Wie kam es, dass ein Priester Vater wurde?

Luca Favarin, 54, wurde am 28. September 2023 Vater seines Sohnes Zaccaria, der um 8.15 Uhr geboren wurde.

Der ehemalige Priester aus Padua teilte das Ereignis in den sozialen Medien, indem er ein Foto von sich mit dem Neugeborenen veröffentlichte und einen langen Brief an das Kind richtete. In dem Schreiben heißt es: „Zaccaria, heute bist du geboren in dieser Welt und wir beginnen voller Emotionen diese Reise.“

Der Sohn ist das erste Kind von Favarin, der bereits vor drei Jahren erklärt hatte, er könne sich ein Kind vorstellen. Die Geburt markiert einen Wendepunkt im privaten Leben des 54‑jährigen Ex‑Priesters.

Warum verließ Luca Favarin das Priesteramt?

Favarin beantragte 2022 die Entbindung von priesterlichen Pflichten, wurde im Dezember suspendiert und verließ im August 2023 endgültig den Klerikerstand.

Im Dezember 2022 reichte Favarin einen Antrag ein, um von den priesterlichen Aufgaben entbunden zu werden. Die Diözese Padua leitete das Verfahren zur Dispensation ein, das im Dezember mit einer Suspendierung a divinis endete – das Verbot, Sakramente zu spenden.

Im August 2023 schloss die Diözese das Verfahren ab und bestätigte die Laicisation. Der Schritt folgte jahrelangen Differenzen über die Ausgestaltung von Sozialprojekten und öffentlichen Positionen, die von der kirchlichen Hierarchie als unvereinbar mit dem Lehramt angesehen wurden.

Welches soziale Engagement prägte Favarins priesterliche Laufbahn?

Während seiner 25‑jährigen Priesterzeit setzte sich Favarin für Migranten, ausländische Minderjährige, Häftlinge und Randgruppen ein.

Als Priester der Diözese Padua wurde Favarin zu einem der bekanntesten Sozialpriester Venetiens. Er betreute Flüchtlingsunterkünfte, organisierte Hilfsprogramme für unbegleitete minderjährige Migranten und besuchte Gefängnisse, um dort seelsorgerische Unterstützung zu leisten.

Sein Engagement ging über reine Seelsorge hinaus: Er gründete das Dorf Kidane in Altichiero, das als Aufnahmezentrum für Schutzsuchende dient. Auch nach dem Austritt aus dem Klerus bleibt er in dieser Funktion aktiv und koordiniert die Unterbringung von Asylbewerbern.

Welche Kontroversen löste sein Austritt aus der Kirche aus?

Favarins Weg löste landesweite Debatten über Homosexualität, Sterbehilfe und die Autonomie von Klerikern aus.

Favarin hatte öffentlich die Anerkennung homosexueller Paare und ein Gesetz zum selbstbestimmten Lebensende unterstützt. Diese Positionen standen im Widerspruch zum offiziellen Lehramt der katholischen Kirche und führten zu Spannungen mit der Diözese Padua.

Die Diözese würdigte zwar sein Einsatz für Arme und Verletzliche, kritisierte jedoch seine eigenständige Methodik und bezeichnete Teile seiner Arbeit als zu „unternehmerisch“. Der öffentlich ausgetragene Konflikt löste in Italien und darüber hinaus Diskussionen über die Reformfähigkeit der Kirche aus.

In Deutschland fand das Thema Resonanz, weil ähnliche Fälle von Priestern, die die Kirche verlassen, dort immer wieder medial aufgegriffen werden. Der Fall verdeutlicht, wie persönliche Gewissensentscheidungen kirchliche Strukturen herausfordern können.

Wie lebt der ehemalige Priester jetzt?

Favarin lebt mit seiner Partnerin und dem Neugeborenen in Padua und leitet weiterhin das Dorf Kidane, das Schutzsuchenden Unterkunft bietet.

Nach der Geburt des Sohnes zog das Paar in ein Haus in der Nähe von Padua, wo sie das tägliche Leben mit einem kleinen Kind organisieren. Favarin beschreibt die neue Phase als das persönlichste Kapitel seiner Geschichte.

Trotz des Austritts aus dem Klerus bleibt er im sozialen Bereich aktiv. Das Dorf Kidane, das er 2020 mitbegründete, fungiert als Sammelpunkt für Asylbewerber, bietet Sprachkurse und hilft bei der Integration in die lokale Gemeinschaft.

Favarin betont, dass die Arbeit mit Schutzsuchenden für ihn weiterhin zentrale Bedeutung hat. Er sieht im neuen Lebensabschnitt eine Fortsetzung seiner früheren Mission, nur ohne priesterliche Formalien.

Welche Bedeutung hat der Fall für die deutsche Öffentlichkeit?

Der Fall illustriert das wachsende Interesse an kirchlichen Autoritätsfragen und an den persönlichen Freiheiten ehemaliger Kleriker in Deutschland.

Das Suchvolumen für das Keyword „Priester“ steigt in Deutschland, weil Themen wie Kirchenaustritt, Sexualmoral und Reformen immer wieder in den Nachrichten erscheinen. Favarins Geschichte liefert ein konkretes Beispiel, das diese Debatten greifbarer macht.

Für Leserinnen und Leser bietet der Bericht Einblick in den Prozess der Laicisation, der in Deutschland selten öffentlich diskutiert wird. Gleichzeitig wird deutlich, dass ehemalige Priester nach dem Austritt häufig in sozialen Projekten weiterarbeiten.

Der öffentliche Diskurs könnte zu einer stärkeren kritischen Auseinandersetzung mit kirchlichen Strukturen führen. Dabei stehen Fragen im Raum, wie die Kirche mit Priestern umgeht, die öffentlich von ihrer Lehre abweichen, und welche Rolle Laicisation in einer pluralistischen Gesellschaft spielt.

Häufige Fragen

Wer ist Luca Favarin?

Luca Favarin ist ein ehemaliger katholischer Priester aus Padua, der 25 Jahre im Klerus tätig war und sich vor allem für Migranten, unbegleitete Minderjährige und Häftlinge engagierte. 2023 verließ er das Priesteramt und ist seitdem als Laik im sozialen Bereich aktiv.

Wie alt ist sein Sohn Zaccaria?

Zaccaria wurde am 28. September 2023 um 8.15 Uhr geboren. Sein Vater Luca Favarin war zu diesem Zeitpunkt 54 Jahre alt.

Wann wurde Favarin aus dem Priesteramt entlassen?

Favarin beantragte im Dezember 2022 die Entbindung von priesterlichen Pflichten, wurde im selben Monat suspendiert und erhielt im August 2023 die endgültige Laicisation, wodurch er das Priesteramt verließ.

Welche Positionen vertrat Favarin öffentlich?

Er sprach sich für die rechtliche Anerkennung homosexueller Partnerschaften und für ein Gesetz zum selbstbestimmten Lebensende aus. Beide Standpunkte standen im Widerspruch zum offiziellen Lehramt der katholischen Kirche.

Wie reagierte die Diözese Padua auf seinen Austritt?

Die Diözese würdigte Favarins Einsatz für Arme und Verletzliche, kritisierte jedoch seine eigenständige Methodik und bezeichnete Teile seiner Aktivitäten als zu unternehmerisch. Der Konflikt mündete in die Suspendierung und schließlich in die Laicisation.

Was bedeutet Laicisation für einen Priester?

Laicisation ist das offizielle Verfahren, durch das ein Priester von seinen priesterlichen Pflichten entbunden wird und nicht mehr berechtigt ist, Sakramente zu spenden. Der Vorgang endet meist mit einer formellen Erklärung der Diözese, wie im Fall von Favarin im August 2023.

Quellen

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