Neumeldung

Was Deutschland gerade sucht, sachlich erklärt

Panorama

hochvogel – aktuelle Gefahr eines Felssturzes am Allgäuer Gipfel

Geologieprofessor Michael Krautblatter warnt vor einem bevorstehenden Großabbruch am Hochvogel. Sensoren, Drohnen und seismische Messungen liefern Daten für eine frühzeitige Warnung.

Foto vom Hochvogel mit sichtbarem Riss und Forschern, die Messgeräte einsetzen
Foto vom Hochvogel mit sichtbarem Riss und Forschern, die Messgeräte einsetzen Foto: Martin Kraft · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Das Wichtigste in Kürze

Am Hochvogel hat ein neuer Riss, genannt „Spalt 6“, Bewegungsraten von bis zu fünf Millimetern pro Woche gemessen. Experten schätzen das mögliche Abrutschen auf 250 000 bis 400 000 Kubikmeter Gestein. Die Gefahr wird mit über 30 Sensoren und Drohnen-Laserscannern kontinuierlich überwacht.

Was bedeutet der aktuelle Felssturz am hochvogel für die Region?

Der mögliche Felsabbruch könnte das gesamte Südwestgipfelgelände destabilisieren und Wanderwege dauerhaft sperren.

Der Hochvogel, 2 592 Meter hoch, ist ein markanter Punkt im Allgäu. Seit Juni 2023 zeigen Messungen einen zunehmenden Riss, der bereits als „Spalt 6“ bezeichnet wird. Der Riss verläuft in einer Tiefe von rund 70 Metern und hat sich zu einer bis zu sechs Meter breiten Kluft ausgedehnt.

Wanderer, die bislang den traditionellen Bäumenheimer Weg nutzten, müssen seit 2014 umkehren, weil die Strecke durch Gerölllawinen bedroht ist. Sollten die Messwerte weiter ansteigen, könnte die gesamte Westflanke des Berges unpassierbar werden, was den Tourismus in der Region stark beeinträchtigen würde.

Die örtlichen Behörden haben bereits Warnschilder installiert und informieren Besucher über die aktuellen Gefahrenzonen. Der potenzielle Abriss würde jedoch ein unbewohntes Tal betreffen, sodass direkte Menschenleben zunächst nicht gefährdet sind.

Wie werden die Bewegungen am hochvogel gemessen?

Mehr als dreißig Sensoren erfassen millimetergenaue Verschiebungen, unterstützt von Drohnen‑Laser‑Scannern.

Ein Netzwerk aus über 30 Messgeräten ist auf dem Gipfel installiert. Einige Sensoren registrieren horizontale Bewegungen, andere messen seismische Vibrationen, die direkt an die Smartphones der Forscher gesendet werden.

Im Frühjahr 2024 wurden Bewegungsraten von bis zu fünf Millimetern pro Woche dokumentiert – ein Tempo, das für geologische Prozesse als außergewöhnlich schnell gilt. Ein Blitzschlag zerstörte kürzlich einen Bewegungssensor, wodurch ein Austausch nötig wurde.

Zusätzlich fliegt eine Drohne mit einem hochauflösenden Laserscanner über den Berg. Die gesammelten Daten werden zu einem dreidimensionalen Modell verarbeitet, das die Entwicklung des Risses visualisiert und zukünftige Szenarien simuliert.

Welche Größe hat der mögliche Bergsturz am hochvogel?

Forscher schätzen das abrutschende Gesteinsvolumen auf 250 000 bis 400 000 Kubikmeter.

Der aktuelle Riss erstreckt sich über 70 Meter Tiefe und bis zu sechs Meter Breite. Das Volumen des potenziellen Abrisses wurde von Michael Krautblatter und seinem Team auf 250 000 bis 400 000 m³ kalkuliert.

Zum Vergleich entspricht das Volumen einem mittleren Hochhaus, das komplett aus Fels besteht. Ein solcher Abgang würde eine massive Gerölllawine auslösen, die das Tal unterhalb des Hochvogels überschwemmt.

Die Wissenschaftler betonen, dass der Zerfall nicht sofort stattfinden muss. Vielmehr könnte sich das Abrutschen über mehrere Jahre erstrecken, abhängig von den gemessenen Beschleunigungen der Gesteinsbewegungen.

Welche historischen Beobachtungen gibt es zum hochvogel?

Der Hochvogel ist seit dem 19. Jahrhundert für seine markanten Spalten bekannt, doch die aktuelle Aktivität ist beispiellos.

Der Alpenforscher Hermann von Barth beschrieb bereits im 19. Jahrhundert einen breiten Riss hinter dem Gipfelkreuz, den er als „schulterbreiten Spalt“ bezeichnete. Damals war die Öffnung jedoch nur wenige Meter breit.

Im Laufe der Zeit hat sich die Kluft zu einer bis zu sechs Meter breiten Schlucht entwickelt, die heute als „großer Spalt“ gilt. Historische Karten zeigen, dass die Westflanke des Berges früher stabiler war.

Erst seit dem Juni‑Felssturz mit 2 000 Kubikmetern Gestein hat sich die Dynamik deutlich beschleunigt. Die aktuelle Forschung nutzt moderne Technologien, die zu von Barths Zeiten nicht verfügbar waren.

Wie reagieren Behörden und Wanderer auf die Gefahr am hochvogel?

Wanderwege wurden gesperrt, Warnschilder aufgestellt und die Öffentlichkeit regelmäßig über aktuelle Messwerte informiert.

Die Bayerische Staatsregierung hat den Bäumenheimer Weg seit 2014 für den allgemeinen Verkehr gesperrt und weist auf die potenzielle Lawinengefahr hin. Zusätzlich wurden temporäre Absperrungen an den gefährdeten Stellen installiert.

Lokale Tourismusverbände informieren Besucher über aktuelle Lageberichte, die online und an den Bergstationen abrufbar sind. In einem Interview äußerte ein Vertreter der Allgäuer Zeitung: „Wir sind wohl kurz vor einem Absturz.“

Die Wissenschaftler planen, im Herbst weitere Sensoren zu installieren, um die Datenbasis zu erweitern. Sollte die Messung ein starkes Beschleunigen der Bewegungen zeigen, könnten zusätzliche Sperrungen folgen.

Welche Forschungsergebnisse liefert der hochvogel für die Geowissenschaft?

Der Berg dient als Freiluftlabor, um neue Mess- und Vorhersagemethoden für Felsabbrüche zu testen.

Durch die dichte Sensorik und die Drohnen‑Laser‑Scans entsteht ein umfassendes Datenset, das bislang in dieser Detailtiefe nicht verfügbar war. Die Ergebnisse sollen Aufschluss darüber geben, wie schnell sich Gesteinsmassen unter verschiedenen klimatischen Bedingungen bewegen.

Ein besonderer Fokus liegt auf dem seismischen Vibrationssensor, der Erschütterungen direkt an Mobilgeräte überträgt. Diese Echtzeit‑Übertragung ermöglicht es, kritische Schwellenwerte sofort zu erkennen.

Langfristig sollen die erprobten Methoden nicht nur für unbewohnte Bergregionen, sondern auch für bewohnte Gebiete mit Hangrutsch‑ und Lawinengefahr eingesetzt werden. Der Hochvogel könnte damit als Modellstandort für zukünftige Risikobewertungen in den Alpen dienen.

Häufige Fragen

Wie groß ist das betroffene Gebiet am hochvogel?

Der gefährdete Abschnitt erstreckt sich über etwa 70 Meter Tiefe und bis zu sechs Meter Breite, wobei das mögliche Abrutschvolumen zwischen 250 000 und 400 000 Kubikmetern liegt.

Seit wann wird am hochvogel geforscht?

Erste systematische Messungen begannen nach einem Felssturz im Juni 2023, als ein Team der Technischen Universität München den Gipfel besuchte, um Sensoren zu installieren und zu kalibrieren.

Welche Technologie kommt zum Einsatz?

Ein Netzwerk aus über 30 Bewegungs‑ und Vibrationssensoren, Drohnen mit Laserscannern und ein seismischer Vibrationssensor, der Daten in Echtzeit an Smartphones sendet, werden kombiniert.

Wie können Wanderer die aktuelle Lage prüfen?

Die Bayerischen Behörden veröffentlichen aktuelle Warnungen auf ihrer Website und an den Bergstationen; zudem informieren lokale Tourismusbüros über gesperrte Wege und aktuelle Messwerte.

Was bedeutet das für die zukünftige Forschung?

Der Hochvogel dient als Testfeld für neue Frühwarnsysteme, die später auch in bewohnten Gebieten eingesetzt werden könnten, um Hangrutschungen und Lawinen besser vorherzusagen.

Quellen

Kommentare

Kommentare werden geladen …

Ihr Kommentar erscheint, sobald die Redaktion ihn geprüft hat.

Mit dem Absenden wird der Kommentar gespeichert. Es werden keine Cookies gesetzt, die IP-Adresse wird nur als nicht rückrechenbarer Hash zum Schutz vor Spam abgelegt. Einzelheiten in der Datenschutzerklärung.