Größere Kontrollteams im Zug – Wie die Deutsche Bahn die Sicherheit erhöht
Die Deutsche Bahn prüft auf der Moselstrecke ein neues Sicherheitskonzept: bis zu acht Mitarbeitende kontrollieren gemeinsam einen Zug, um Angriffe auf das Personal zu reduzieren.
Das Wichtigste in Kürze
Seit August testet die Deutsche Bahn auf der Moselstrecke größere Kontrollteams, bei denen bis zu acht Mitarbeitende gleichzeitig im Zug unterwegs sind. Das Pilotprojekt soll Gewalt gegen das Zugpersonal reduzieren und das Sicherheitsgefühl von Fahrgästen stärken.
Was testet die Deutsche Bahn seit August auf der Moselstrecke?
Die DB führt dort ein Pilotprojekt mit größeren Kontrollteams von bis zu acht Personen pro Zug durch.
Seit August führt die Deutsche Bahn auf der Moselstrecke zwischen Trier und Koblenz ein Pilotprojekt durch, das größere Kontrollteams einsetzt. In den vergangenen Jahren haben Angriffe auf Zugpersonal deutlich zugenommen, sodass die Bahn nach neuen Schutzmaßnahmen sucht. Das neue Konzept soll sowohl das Personal als auch die Fahrgäste besser schützen.
Im Rahmen des Tests reisen bis zu acht Mitarbeitende gleichzeitig in einem Zug. Die Gruppen bestehen aus Kontrolleuren, Kundenbetreuern und Sicherheitspersonal, die gemeinsam die Wagen abklappern. Die Einsätze erfolgen unangekündigt, sodass potenzielle Störer nicht wissen, wann ein größeres Team unterwegs ist.
Ziel ist es, die Hemmschwelle für Gewalt zu erhöhen und das allgemeine Sicherheitsgefühl zu stärken. Erste Beobachtungen zeigen, dass die Präsenz mehrerer Personen deeskalierend wirkt. Die DB plant, die Ergebnisse nach mehreren Monaten auszuwerten, bevor sie über eine flächendeckende Einführung entscheidet.
Wie ist das neue Kontrollkonzept im Zug organisiert?
Sechs bis acht Mitarbeitende bewegen sich gemeinsam durch den Wagen und prüfen Fahrkarten, wobei jede Person eine Kamera trägt.
Die neuen Kontrollgruppen bewegen sich als geschlossene Einheit durch den Zug. Vor jeder Fahrt kündigt ein Lautsprecher die Anwesenheit einer Prüfgruppe an und bittet die Fahrgäste, einen Lichtbildausweis zusammen mit dem Ticket bereitzuhalten. Dabei gehen die Mitarbeitenden freundlich, aber aufmerksam auf die Passagiere zu.
Jedes Teammitglied trägt eine kompakte Bodycam, die jedoch erst aktiviert wird, wenn sich eine Situation zuspitzt. Die Kameras dienen vor allem der Abschreckung, weil potenzielle Angreifer wissen, dass ihr Verhalten dokumentiert wird. In ruhigen Momenten bleiben die Geräte ausgeschaltet, um die Privatsphäre zu wahren.
Durch das gleichzeitige Wirken mehrerer Personen können Konflikte sofort von Kolleginnen und Kollegen unterstützt werden. Beobachtungen aus den ersten Einsätzen zeigen, dass sich die Stimmung im Wagen eher entspannt als angespannt entwickelt. Die Kombination aus Präsenz und technischer Dokumentation gilt als Schlüssel zur Gewaltprävention.
Warum setzt die DB Regio auf größere Teams?
Größere Gruppen senken das Risiko von Gewalt, weil sofortige Unterstützung verfügbar ist und potenzielle Angreifer abgeschreckt werden.
Gewalt gegen Bahnmitarbeiter hat in den letzten Jahren stark zugenommen, insbesondere bei Fahrkartenkontrollen. Laut DB Regio werden Angriffe häufig mit Beschimpfungen, Schlägen oder sogar schweren Körperverletzungen begangen. Die herkömmliche Ein‑Mann‑Kontrolle gilt deshalb als zu riskant.
Silke Janser, Leiterin der DB Regio Region Mitte, erklärt, dass die Hemmschwelle für Gewalt gesunken sei. Durch größere Teams wolle man sofortige Hilfe garantieren und potenzielle Täter abschrecken. Die Kolleginnen und Kollegen können sich gegenseitig im Blick behalten und bei Bedarf eingreifen.
Erste Rückmeldungen aus dem Feld deuten darauf hin, dass sich die Zahl der Eskalationen reduziert hat. Fahrgäste berichten von einer ruhigen Atmosphäre, während das Personal sich sicherer fühlt. Das Konzept wird daher als möglicher Standard für den gesamten Schienenverkehr betrachtet.
Wie häufig und wo kommen die Prüfgruppen zum Einsatz?
Die Teams fahren an vier bis acht nicht angekündigten Tagen pro Monat auf der Strecke zwischen Trier und Koblenz.
Die Prüfgruppen fahren an vier bis acht Tagen im Monat auf der Moselstrecke, ohne Vorankündigung. Die Einsätze sind verteilt über verschiedene Tageszeiten, um ein breites Bild der Wirkung zu erhalten. Die Bahn dokumentiert jede Kontrolle, um später statistische Auswertungen vorzunehmen.
Durch die Unvorhersehbarkeit soll verhindert werden, dass sich potenzielle Störer gezielt auf unbeaufsichtigte Züge einstellen. Fahrgäste wissen nicht, ob ein größerer Kontrollzug unterwegs ist, was die Abschreckungswirkung erhöht. Gleichzeitig bleibt die Routine für reguläre Fahrgäste unverändert.
Nach Abschluss der Testphase plant die DB, die Erkenntnisse auf weitere Strecken zu übertragen. Dabei könnten die Teamgrößen je nach regionalen Gegebenheiten variieren. Ziel ist ein flächendeckendes Sicherheitsnetz, das sowohl in Ballungsräumen als auch im ländlichen Raum funktioniert.
Welche rechtlichen Konsequenzen gab es bei Gewalttaten gegen Zugpersonal?
Ein Täter, der den Zugbegleiter Serkan Çalar ermordete, erhielt ein zehnjähriges Freiheitsurteil vom Landgericht Zweibrücken.
Im Dezember 2023 wurde ein Mann vom Landgericht Zweibrücken zu zehn Jahren Haft verurteilt, weil er den Zugbegleiter Serkan Çalar in einem Vorfall in 2020 erstochen hatte. Das Urteil gilt als eines der schwerwiegendsten in der Geschichte der Bahnkriminalität.
Der Fall löste eine breite Debatte über den Schutz von Zugpersonal aus. Politiker und Gewerkschaften fordern konsequentere Sicherheitsmaßnahmen und strengere Strafen für Gewalttaten. Das Urteil wird von vielen als Warnsignal für potenzielle Täter gesehen.
Die Verurteilung stärkt die Argumentation der DB, größere Kontrollteams einzuführen. Sie zeigt, dass schwere Straftaten im Bahnverkehr ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen und dass Prävention durch Präsenz und Dokumentation ein wichtiger Baustein sein kann.
Welche Perspektiven hat die DB für die langfristige Sicherheit im Schienenverkehr?
Die Deutsche Bahn plant, das Pilotprojekt nach Auswertung zu erweitern, um flächendeckend mehr Sicherheit für Personal und Fahrgäste zu gewährleisten.
Die Deutsche Bahn hat angekündigt, das Pilotprojekt nach einem Zeitraum von mindestens sechs Monaten zu evaluieren. Dabei werden sowohl die Zahl der Zwischenfälle als auch das subjektive Sicherheitsgefühl von Personal und Fahrgästen berücksichtigt. Die Ergebnisse fließen in strategische Entscheidungen für das gesamte Netz ein.
Sollten die Daten positive Effekte belegen, plant die DB, das Konzept auf weitere Regional‑ und Fernverkehrsstrecken auszuweiten. Dabei könnten die Teamgrößen angepasst werden, um betriebliche Effizienz und Kosten im Blick zu behalten. Die Technik, insbesondere Bodycams, soll dabei flächendeckend eingesetzt werden.
Langfristig strebt die Bahn ein Umfeld an, in dem Angriffe auf das Personal selten sind und Fahrgäste sich sicher fühlen. Die Kombination aus personeller Präsenz, technischer Unterstützung und rechtlichen Konsequenzen soll dazu beitragen, das Vertrauen in den Schienenverkehr zu stärken.
Häufige Fragen
Wie häufig kommt es zu Gewalttaten gegen Bahnmitarbeiter in Deutschland?
Laut Berichten der Deutschen Bahn haben Angriffe auf Zugpersonal in den letzten Jahren deutlich zugenommen, insbesondere bei Fahrkartenkontrollen. Die meisten Vorfälle enden in verbalen Beschimpfungen, körperlichen Übergriffen oder, in Einzelfällen, schwereren Verletzungen.
Was sind Bodycams und wie unterstützen sie das Bahnpersonal?
Bodycams sind kleine, am Körper getragene Kameras, die Bild- und Tondaten aufnehmen. Bei der DB werden sie nur aktiviert, wenn eine Situation eskaliert, und dienen sowohl der Abschreckung potenzieller Täter als auch der Beweissicherung für spätere Ermittlungen.
Wie reagieren Fahrgäste auf das größere Kontrollteam im Zug?
Erste Rückmeldungen zeigen, dass die Präsenz von sechs bis acht kontrollierenden Mitarbeitenden als beruhigend empfunden wird. Passagiere berichten von einer freundlichen, aber bestimmten Ansprache und einer insgesamt entspannteren Atmosphäre im Wagen.
Gibt es vergleichbare Sicherheitsprojekte bei anderen Verkehrsunternehmen?
Einige Stadtverkehrsverbünde testen ebenfalls vermehrte Kontrollen und den Einsatz von Bodycams, um das Personal zu schützen. Die Deutsche Bahn gilt jedoch mit ihrem Pilotprojekt auf der Moselstrecke als Vorreiter für ein flächendeckendes, teambasiertes Sicherheitskonzept im Schienenverkehr.
Wie kann ein Fahrgast seine Rechte bei einer Kontrolle wahren?
Fahrgäste sollten ihren Lichtbildausweis und das Ticket bereithalten, höflich bleiben und sich bei Unklarheiten an die kontrollierenden Mitarbeitenden wenden. Bei mutmaßlichen Rechtsverstößen kann man sich an die DB Kundendienste oder an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr wenden.